Die Geldfabrik
Ein Blick hinter die
Kulissen der Swissmint.

Herstellung der Prägewerkzeuge –
vom künstlerischen Entwurf zum fertigen Stempel
Am Anfang jeder Münze steht der Entwurf des Künstlers. Davon
ausgehend, wird zuerst ein Gipsmodell des Prägebildes von rund 20 cm
Durchmesser hergestellt. Durch zweimaliges Abgiessen entsteht zunächst
ein Silikon- und dann ein Kunstharzmodell. Letzteres wird in die
Reduktionsmaschine eingespannt, welche das Relief des Modells abtastet und
auf Münzgrösse verkleinert. Bis zu 36 Stunden werden gebraucht, um alle
Einzelheiten des Modells in den ungehärteten Stahl zu fräsen. Der dabei
entstehende Stahlstempel wird Reduktion genannt.

Mit höchster Präzision arbeitet der
Graveur anschliessend die Konturen und plastischen Feinheiten heraus und
gibt dem Münzrelief den letzten Schliff. Danach wird die Reduktion gehärtet
und durch mehrmaliges Umsenken der positive Senkstempel hergestellt. Beim
Umsenken wird jeweils der gehärtete Stahl in einen ungehärteten Stahl
eingedrückt und es entsteht ein präziser Abdruck der Vorlage. Mit Hilfe
des Senkstempels fabriziert man schliesslich die eigentlichen Prägestempel
im Negativ. Diese werden nach dem Umsenken in die richtige Form gedreht,
gehärtet und, um die Lebensdauer zu verlängern, hartverchromt. Mit einem
Paar Prägestempel lassen sich rund 1 Mio. Geldstücke prägen.

Rondellenfabrikation
Die meisten Eigenschaften der Münzen müssen bereits vom prägefertigen Münzplättchen
- auch Rondelle oder Ronde genannt - erfüllt werden. Seit der Umstellung
vom Silber- zu Kupfernickelgeld im Jahre 1968 stellt die Münzstätte
selber keine Rondellen mehr her. Sie bestellt die fertigen Münzplättchen
vorwiegend bei ausländischen Lieferanten. Diese schmelzen die für die
Rondellenherstellung benötigten Metalle in Elektroschmelzöfen. Von der
Schmelze wird eine Probe entnommen und die Legierungszusammensetzung durch
Analyse mit dem Röntgenfluoreszenz-Spektrometer kontrolliert und wenn nötig
korrigiert.
Die anschliessend gegossenen Metallblöcke
werden in grossen Walzwerken in mehreren Durchgängen in ihrer Dicke
reduziert, bis die daraus entstandenen Bleche die gewünschte Stärke
erreicht haben. Aus diesen Blechbändern werden hernach die Münzplättchen
ausgestanzt. Mit der Randrier- oder Rändelmaschine wird der Rand der
Rondellen gestaucht, so dass ein Randwulst entsteht. Dieser Wulst ist
notwendig, damit später beim Prägevorgang genügend Material für die
Ausprägung des Randstabes vorhanden ist. Aufgabe des Randstabes ist es,
das Prägebild vor Abnützung zu schützen. Die fertigen Münzplättchen
werden in Spezialcontainern an die Swissmint geliefert.

Prägung und Verpackung der Umlaufmünzen
Für die Prägung stehen der Swissmint sechs leistungsfähige Prägemaschinen
zur Verfügung. Die Prägepressen stellen – je nach Münzsorte – pro
Minute bis zu 600 Münzen her. Der Prägedruck variiert dabei von 50 bis
200 Tonnen. Die Prägung von Vorderseite, Rückseite und Rand erfolgt
stets in einem Schlag. Zwischen Ober- und Unterstempel befindet sich der
sogenannte Prägering, ein stählerner Ring, in den die Münzplättchen zu
liegen kommen und dessen Durchmesser demjenigen der zu prägenden Münzen
entspricht. Er dient dazu, der Münze die schöne kreisrunde Gestalt zu
erhalten und ein Ausweichen des Metalls unter dem gewaltigen Prägedruck
zu verhindern. Bei Münzen mit erhabener Randschrift wie z. B. dem Fünfliber
wird ein aus drei Segmenten bestehender Prägering verwendet, der sich
nach dem Prägen öffnet, damit die Münze, ohne Beschädigung des Randes,
ausgestossen werden kann.

Die geprägten Münzen werden auf einer
modern eingerichteten Verpackungsstrasse zuerst gezählt und in Rollen zu
25 bzw. 50 Stück verpackt. Danach laufen die Rollen über ein Förderband
zur Waage und werden, wenn das Gewicht stimmt, durch einen
Industrieroboter in die Faltkartons verpackt. Die fertigen Kartons werden
mit Bändern verschlossen, noch einmal gewogen, etikettiert und
palettiert. Der ganze Verpackungsvorgang ist vollständig automatisiert.
Die Münzpaletten werden in regelmässigen Abständen von der Nationalbank
abgeholt, welche anschliessend die Feinverteilung der Münzen übernimmt.

Prägung und Verpackung der
Sammlermünzen
Im Gegensatz zu den Umlaufmünzen, die im normalen Durchlauf geprägt
werden, erfolgt die Prägung der Sammlermünzen entweder im reduzierten
Durchlauf für die Münzen in der Stempelglanz-Qualität oder einzeln im
Doppelschlag für die Münzen in Polierter Platte (auch Proof, PP oder
Spiegelglanz genannt). Sammlermünzen in normaler Prägequalität werden
wie die Umlaufmünzen geprägt. Während für die Münzen in Normalprägung
und Stempelglanz die angelieferten Rondellen – gleich wie bei den
Umlaufmünzen – ohne weitere Vorbereitung verprägt werden, so
durchlaufen die für die Proof-Prägung vorgesehenen Münzplättchen einen
Vorbereitungsprozess. Dieser umfasst das Glühen, Beizen, Polieren,
Waschen und fleckenfreie Trocknen und hat zum Ziel, eine optimale Oberflächenqualität
zu erreichen. Um einen bestmöglichen Kontrast zwischen glänzendem Münzgrund
und matten Relief zu erhalten, werden die Prägestempel für die Proof-Münzen
ebenfalls poliert.
Die Gedenkmünzen in Polierter Platte
werden von Hand in Münzdosen und anschliessend in geschmackvolle Etuis
verpackt, diejenigen in Normalprägung werden entweder in Folie
eingeschweisst oder gerollt. Die Jahressätze der Umlaufmünzen präsentieren
sich sowohl in der Proof- als auch der Stempelglanz-Ausführung in einer
transparenten Schalenverpackung mit modernem Outfit.
Source
: swissmint.ch |